Schlagwort: IWF

Kommentar: …und jetzt brennt der Euro

12. Mai 2010  Kommentare

Kaum war die Kredithilfe für Griechenland im Parlament durchgepeitscht, verschärfte sich die Spekulation gegen den Euro. Die Sitzung der EU-Minister­präsidenten am Freitagabend wurde zum Krisengipfel. Über das Wochenende musste ein Rettungspaket her. Insgesamt umfasst dies 750 Milliarden Euro. 60 Milliarden direkte Hilfen der EU und 440 Milliarden Euro an Kredithilfen. Zusätzlich stellt der IWF weitere 250 Milliarden Euro bereit.

Merkel ist die Getriebene. Unter dem Druck der Spekulanten ließ sie Vorbehalte unter den Tisch fallen lassen, mit denen sie noch vor wenigen Wochen eine rechtzeitige Hilfe für Griechenland verhindert hat. Im EU-Vertrag sind finanzielle Hilfen, also auch Kredite zwischen den Staaten eigentlich ausgeschlossen. Jetzt hat man eine Ausnahmeregelung uminterpretiert. Bislang war es zudem unvorstellbar, dass die EZB Staatsanleihen der Mitgliedsländer direkt aufkauft und damit stützt. Nach politischem Druck und möglicherweise eigener Einsicht hat jetzt die EZB direkt Staatsanleihen aufgekauft.

Dies sind Schritte in die richtige Richtung. Jedoch sperrt sich die Kanzlerin weiter gegen Eurobonds, um die Zinsen zu drücken. Auch sind bislang keine Schritte erkennbar die Spekulation zu unterbinden, die alles nur noch schlimmer bzw. teurer macht. Vor allem: den tieferliegenden Ursachen wird nicht Rechnung getragen.

  • Deutsche Unternehmer haben aufgrund des deutschen Lohndumpings seit 2000 einen Außenhandelsüberschuss von 1,3 Billionen Euro erzielt. Dies führte zu einer Verschuldung anderer Länder, dies sich mittelbar auch in Gestalt von wachsenden Staatsdefiziten auswirkte. In Europa sind dies vor allem die Südländer. Deshalb geraten sie auch als erste ins Visier der Finanzmärkte.
  • Hinzu kommt, dass die Verschuldung der großen Industriestaaten im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise dramatisch angestiegen ist. Allein in Deutschland geht die Hälfte der neuen Schulden von 180 Milliarden Euro seit 2008 auf das Konto der Bankenrettung. In anderen Ländern sieht die Lage viel dramatischer aus.

Wir brauchen vor allem eine Wirtschaftspolitik, die auf außenwirtschaftlichem Gleichgewicht beruht. Die Binnennachfrage muss in Deutschland angekurbelt werden durch höhere Löhne und staatliche Investitionsprogramme. Außerdem muss die Verschuldung bekämpft werden. DIE LINKE hat in der Krise schon immer gefordert, dass die Reichen die Kosten der Krise bezahlen sollen. Stattdessen wurde alles auf Pump finanziert.

Die Reichen sind zu reich und die Staaten zu arm. Wegen des Lohndumpings und der vielen Steuergeschenke. Ungerecht war das schon immer, jetzt wird es zum wirtschaftspolitischen Problem.

Wir brauchen eine massive Besteuerung von Reichen und Vermögenden. Zum Beispiel durch die Millionärsteuer. Sie bringt allein 80 Milliarden Euro. Und die Finanztransaktionsteuer, die in Deutschland mehr als zehn Milliarden Euro einbringen kann, europaweit 70 Milliarden. Darüber hinaus muss geprüft werden, ob die generelle Beschneidung der Forderungen der Gläubiger gegen Euro-Staaten machbar ist – und zwar europaweit. Auch hierzu brauchen wir die Vergesellschaftung der privaten Banken.

Voodoo in Athen

03. Mai 2010  Presseerklärungen

„Die Bevölkerung zahlt, die Schulden explodieren“, so kommentiert Michael Schlecht, Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE, das zwischen Internationalen Währungsfonds (IWF) und Griechenland verabredete Sparpaket.

„Das Paket zahlt die Mehrheit der griechischen Bevölkerung, nicht die Familie Onassis. Griechenland hat seine Staatsausgaben bis zur Krise bereits radikal gesenkt. Es wäre an der Zeit Athens Steuerdumping zu beenden.
Griechenland soll mitten in der Krise etwa zehn Prozent seines BIP’s sparen. Alle wissen dies ist das wirtschaftliche k.o. für Griechenland. Die Schulden werden nicht sinken sondern explodieren.
Auch in Deutschland bürgt die Bevölkerung für die Hilfen an Griechenland. Finanzminister Schäuble will die Banken durch warme Worte zum Kauf griechischer Staatsanleihen überreden. DIE LINKE fordert stattdessen eine Zwangsanleihe der Banken zur Rettung Griechenlands, unter dem Zinssatz der Zentralbank. Das ist der Weg die Banken für ihr Geschäft mit der Staatsverschuldung zur Kasse zu bitten. DIE LINKE fordert auch ein Verbot der Credit Default Swaps, um den Rest der Euro-Zone vor Spekulanten zu schützen.

Kommentar: Griechisch – deutsche Tragödie

27. April 2010  Kommentare

Jetzt wollen die “Pleite-Griechen” (Bildzeitung) doch “unser” Geld. Ist Griechenland aber wirklich pleite? Nein. Das Land könnte auch die nächsten Umschuldungen alleine stemmen. Allerdings zu Wucherzinsen in Höhe von rund zehn Prozent. Diese Zinszahlungen würden die Staatsschulden weiter in die Höhe treiben.

Die Verschuldung Griechenlands ist im Vergleich mit Irland, den USA, Großbritannien und Japan nicht außergewöhnlich hoch. Jedoch hat die griechische Buchhaltung ursprünglich die Neuverschuldung 2009 mit 3,7 Prozent des Bruttoinlandproduktes ausgewiesen, mittlerweile liegt sie bei rund 14 Prozent. Das war der Nährboden für die Spekulation. Sie wurde angeheizt durch die unklare Haltung der deutschen Regierung. Deshalb die jetzigen Wucherzinsen.

Griechenland hat das mit EU und IWF verabredete Kreditpaket beantragt. 15 Milliarden Euro soll der IWF mit höchstens 3,4 Prozent Zinsen bereitstellen. Die EU bringt weitere 30 Milliarden Euro auf, zu fünf Prozent Zinsen. Deutschland soll einen Kreditanteil von 8,4 Milliarden übernehmen. Und ein knackiges Geschäft machen. Wenn Deutschland sich mit rund drei Prozent refinanziert, würden jährlich mindestens 150 Millionen in die deutsche Staatskasse fließen. Gleichwohl verkündet nicht nur die Bildzeitung: “Zahlen wird das auch der deutsche Steuerzahler”. Ganzen Beitrag lesen »

Deutschland will an Griechenland verdienen

12. April 2010  Presseerklärungen

“Deutschland will an Athens Misere verdienen”, kommentiert Michael Schlecht die Hilfszusagen der Europäischen Union sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Griechenland. “Die Bundeskanzlerin wollte, dass Griechenland die Wucherzinsen der Finanzhaie bezahlt. Jetzt soll Athen für Kredite mit dreijähriger Laufzeit ‚nur’ fünf Prozent Zinsen schlucken. Das sind weniger als die sieben Prozent Zinsen der Zocker, aber immer noch zwei Prozent mehr als die Verzinsung von Bundesanleihen. Und jeder Prozentpunkt kostet den griechischen Staat jährlich 300 Millionen Euro. Der von der EU verlangte Sparkurs wird Griechenland zudem in die Rezession drücken und die Schulden erhöhen.” Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:

“Die Politik der Bundesregierung ist europa- und wachstumsfeindlich. Deutschland ist nicht Klassenbester, wie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle meint, sondern seit zehn Jahren die Wachstumsbremse der Euro-Zone. Deutschland wird mit seinen Exportüberschüssen immer mehr Schulden auf die Akropolis türmen. Solange die Bundesregierung nichts gegen Billiglöhne tut, ist Deutschland die größte Gefahr für die Stabilität des Euro.

DIE LINKE fordert weiterhin Euro-Anleihen sowie die Verpflichtung aller EU-Mitgliedstaaten auf einen ausgewogenen Außenhandel. Ein Mindestlohn sowie ein Zukunftsprogramm für mehr öffentliche Investitionen in Deutschland sind die beste Medizin für Europa.”

Europäischer Währungsfonds statt kleiner Bruder des IWF

08. März 2010  Presseerklärungen

„Die EU darf nicht länger nach Washington schielen, wenn es Stress vor der eigenen Haustür gibt. Andere Regionen wie Asien und Lateinamerika sind diesen Weg längst gegangen“, so Michael Schlecht zur Debatte um die Einführung eines Europäischen Währungsfonds. „Europa braucht einen eigenen Währungsfonds, der sich den IWF ausdrücklich nicht zum Vorbild nimmt.“ Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:

„Ein eigener Währungsfonds ist überflüssig, wenn er nur der kleine Bruder des IWF wird. Der IWF hat ganze Staaten in die Wirtschaftskrise gestürzt, um die Interessen von Banken und Finanzhaien zu befriedigen.

Auch die Griechen haften für den ‚Washington Consensus’ in Europa: Die Spekulanten zocken, die Griechen machen Steuerdumping und die deutschen Billiglöhne schicken die Griechen über Handelsdefizite in den Bankrott. Die Staatsausgaben in Griechenland sind bis zur Finanzkrise dramatisch gesunken und lagen gemessen an der Wirtschaftsleistung unter dem Niveau Deutschlands. Ein Währungsfonds, der nur die Interessen der Gläubiger verfolgt, wird daher die Krise vertiefen.

DIE LINKE unterstützt einen Europäischen Währungsfonds nur, wenn er mit dieser Politik bricht. DIE LINKE fordert unter anderen einen außenwirtschaftlichen Stabilitätspakt, um das deutsche Lohndumping zu beenden.“