Stopp für “Stuttgart 21″

04. August 2010  Presseerklärungen

“Die Bundesregierung muss schnellstens aus S21 aussteigen. Die Haushaltsrisiken gehen in die Milliarden. Die “Maultasch-Connection” Mappus-Schuster-Grube versucht Tatsachen zu schaffen. Mit dem schnellen Abriss des Nordflügels am Hauptbahnhof in Stuttgart. Damit soll ein Ausstieg des Bundes immer teurer und damit unwahrscheinlicher werden,” so der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete der Partei DIE LINKE Michael Schlecht.

Es ist jüngst deutlich geworden, dass erhebliche Mehrkosten auf das Projekt zukommen. Gesichert gelten bereits jetzt Mehrkosten von annähernd einer Milliarde Euro. Wenn die Kritiker des Projektes Recht behalten, werden weitere Mehrbelastungen in Milliardengröße entstehen.

All diese Mehrkosten muss der Bund alleine tragen. In Zeiten in denen die Bundesregierung beabsichtigt weitreichend Kürzungen, vor allem im Sozialbereich vorzunehmen, sind derartige Mehrausgaben ein Skandal.

“Ich fordere den Finanzminister Dr. Schäuble sowie den Verkehrsminister Dr. Ramsauer auf unverzüglich aus dem Projekt auszusteigen,” so Michael Schlecht. Die Minister dürften nicht zulassen, dass in Baden-Württemberg Entscheidungen zu Lasten Dritter, zu Lasten des Bundes vollzogen werden.

Höhere Löhne sichern Aufschwung

27. Juli 2010  Gastbeiträge in Zeitungen

Artikel in der Leipziger Volkszeitung vom 24. Juli 2010

Linke-Politiker Schlecht widerspricht Wirtschaftsminister Brüderle

Leipzig (wer). Die Linke fordert die Arbeitgeber in Deutschland in den anstehenden Tarifverhandlungen zu deutlichen Lohnsteigerungen auf. “Höhere Löhne sichern den Aufschwung”, sagte Michael Schlecht, Chefvolkswirt der Fraktion Die Linke. Wegen der Lohnzurückhaltung in den vergangenen Jahren sei die Wirtschaft in Deutschland dagegen deutlich schwächer gestiegen als in anderen Ländern Europas. “Nur wenn die Menschen mehr Geld in die Geschäfte tragen, werden die Unternehmen investieren.” Schlecht reagierte damit auf Äußerungen des Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP). “Wenn zukünftige Lohnerhöhungen die Produktivitätsentwicklung in den Unternehmen übersteigen würden, würden die bisherigen eschäftigungserfolge in Gefahr geraten”, hatte Brüderle kürzlich dieser Zeitung gesagt. “Das sollte man nicht riskieren.”

Schlecht räumte ein: “Wir brauchen Löhne, die sich an der Produktivität orientieren.” Im Gegensatz zu Brüderle leitete er daraus aber eine Forderung nach deutlichen Tarifsteigerungen ab. “Würde Brüderle diese Regel ernst nehmen, müssten die Löhne in Deutschland kräftig wachsen, um die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre auszugleichen.” Als Beleg nannte Schlecht die Entwicklung der Lohnstückkosten: In Deutschland seien sie seit 2000 um sieben Prozent gestiegen, im Rest der Eurozone dagegen um durchschnittlich 29 Prozent. Anderswo sind also die Arbeitskosten im Verhältnis zur Produktivität stärker gestiegen als in Deutschland.

Anders als Brüderle sieht Schlecht einen Nachteil in einer zurückhaltenden Tarifpolitik. “Die niedrigeren Löhne haben dem Wachstum geschadet.” Die Wirtschaft der Euro-Zone habe seit 1999 im Durchschnitt um 1,4 Prozent, die deutsche aber nur um 0,8 Prozent zugelegt. Auch sei die ostdeutsche Wirtschaft nicht deshalb besser durch die Wirtschaftskrise gekommen als die westdeutsche, weil die Menschen hier weniger verdienten. “Die stabilere Entwicklung im Osten hat mit der geringeren Exportabhängigkeit zu tun”, sagte Schlecht. “Sonst hätte sich der ostdeutsche Arbeitsmarkt auch in den Jahren davor besser entwickeln müssen als im Westen.”

Kommentar: Stärkung der Tarifmacht – notwendige Debatte steht aus

26. Juli 2010  Kommentare

Das Bundesarbeitsgericht hat den Grundsatz der Tarifeinheit aufgegeben. DGB/BDA haben unverzüglich gemeinsam Vorschläge an den Gesetzgeber zur Wiederherstellung der Tarifeinheit formuliert. Mittlerweile gibt es eine breite Diskussion von gewerkschaftlich orientierten Arbeitsrechtlern sowie auch zum Teil innerhalb der Gewerkschaften.

Links zum Thema:

Im Nachfolgenden zu diesem Thema ein Kommentar von Michael Schlecht, Werner Dreibus, Klaus Ernst und Ulrike Zerhau:

Stärkung der Tarifmacht – notwendige Debatte steht aus

Das Bundearbeitsgericht hat jüngst einen seit Jahrzehnten gepflegten Grundsatz aufgegeben: Den der Tarifeinheit. In einem Betrieb sollte nur ein Tarifvertrag Gültigkeit haben, auch wenn zwei Gewerkschaften zwei unterschiedliche Vereinbarungen ausgehandelt hatten. Nach bisheriger Rechtsprechung hatte immer der Tarifvertrag mit der “spezielleren” Regelung Vorrang, der den Eigenheiten des Betriebes am besten entsprach.

Bislang gab es immer wieder Fälle, in denen diese Regelung zu massivem Lohndumping genutzt wurde. Besonders gerne haben Unternehmer, die durch einen Flächentarifvertrag gebunden waren, dem sogenannten christlichen Gewerkschaftsbund einen Haustarifvertrag geschenkt. Natürlich hatte dieser deutlich schlechtere Regelungen als der Flächentarifvertrag. Da er aber “spezieller” war, erhielt der Dumpingvertrag Vorrang vor dem Flächentarifvertrag. Mit der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes ist diesem Lohndumping der Boden entzogen worden. “Insofern sollten die Gewerkschaften die Änderung der Rechtsprechung begrüßen,” so der langjährige Vorsitzende der IG Medien, Detlef Hensche. Wir meinen: Recht hat er! Ganzen Beitrag lesen »

Heißer Herbst – auch im Parlament?

Gastbeitrag von Michael Schlecht im Neuen Deutschland vom 17.07.2010

Seit 2008 sind die Staatsschulden um 180 Milliarden Euro angestiegen. Rund 100 Milliarden gehen auf das Konto der Bankenrettung. Bei Angela Merkel ist keine Rede davon, die Kosten bei den Banken, Spekulanten und Reichen zu kassieren. Dabei haben sie schon in den letzten zehn Jahren mehr als 300 Milliarden an Steuergeschenken erhalten.

Bezahlen sollen vor allem Erwerbslose. Und im öffentlichen Dienst werden 15 000 Stellen vernichtet. 80 Milliarden Euro will Merkel bis 2014 wegstreichen. Und ab 2012 beginnt die Einführung der Rente mit 67, die faktisch zu einer Kürzung der Rente führt. Bei vielen Beschäftigen geht das Lohndumping weiter. Trotzdem müssen steigende Beiträge zur Krankenversicherung gezahlt werden. In Zukunft müssen Beschäftige und Rentner Zusatzbeiträge alleine tragen – faktisch kommt die Kopfpauschale durch die Hintertür. Und die Städte und Gemeinden bluten aus. 2010 werden ihnen 15 Milliarden fehlen.

Der jetzt angedrohte Sozialabbau wäre überflüssig, wenn die Regierung Reiche und Vermögende zur Kasse bittet. Allein mit der Millionärssteuer wären Mehreinnahmen von 80 Milliarden Euro möglich. Weshalb nicht Vermögen von mehr als einer Million Euro mit fünf Prozent besteuern? Mit weiteren Schritten könnten insgesamt 160 Milliarden Euro zusätzliche in die Staatskasse sprudeln. Statt den Ärmsten der Armen in die Tasche zu greifen, wäre dann auch mehr und bessere Bildung, ein Ausbau der Infrastruktur und der ökologische Umbau möglich.

Ob Merkels Angriff abgewehrt werden kann, ob sogar ein Politikwechsel möglich ist, entscheidet sich am wenigsten im Parlament. Widerstand in den Betrieben und auf der Straße ist angesagt. Erst wenn die Straße kocht, erst wenn im Herbst in vielen Städten Hunderttausende aufstehen, dann verändert sich das politische Klima.

Chancen für einen heißen Herbst bestehen. Der DGB hat beschlossen vom 24. Oktober bis 13. November Aktionswochen durchzuführen. In den Betrieben und auf der Straße. Am 13. November wird es an mehreren Orten dezentrale Demonstrationen geben. Bereits jetzt im Juli beginnen vielerorts vorbereitende Funktionärskonferenzen. Sozialverbände, Kirchen, attac und andere Gruppen der sozialen Bewegung werden dies unterstützen. Auch die LINKE wird die eigene Mitgliedschaft mobilisieren. Es bleibt zu hoffen, dass auch SPD und Grüne ihre Anhängerschaft in Stellung bringen. Damit eine wirkliche breite, machtvolle Bewegung entsteht. Dann besteht die Chance auch im Parlament einer schwarz-gelben Regierung in den Arm zu fallen.

Dafür ist ein Widerstandsbündnis der Opposition notwendig. Nicht nebensächliche Streitereien etwa darüber, ob die LINKE den Neo-Konservativen Joachim Gauck bei der Präsidentenwahl hätte wählen sollen. Viel wichtiger ist, ob und wieweit sich SPD und Grüne von Agenda 2010 und Rente mit 67 verabschieden. Dabei muss vor allem die SPD Interesse an ihrer Vergangenheitsbewältigung haben. Das Widerstandbündnis der Oppositionsparteien ist der Resonanzboden im Parlament und kann den Menschen vor Ort Mut machen und die Proteste befördern. Deshalb müssen auch die Gewerkschaften an einem derartigen Bündnis Interesse haben.

Die Finanzmärkte regieren

15. Juli 2010  Presseerklärungen

“Die Finanzmärkte haben gewonnen, sie waren sogar mächtiger als Barack Obama”, erklärt Michael Schlecht, Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE, zur Beratung der US-Finanzreform im Senat. “Von den großen Plänen des US-Präsidenten ist nicht viel übrig geblieben. Die Bankenabgabe wurde aufgegeben. Banken können weiter mit fremdem Geld auf Aktien, Währungen und Rohstoffe spekulieren. Nur die Zerschlagung von Großbanken wird erleichtert. Dennoch geht die US-Finanzreform weiter als alles, was die Bundesregierung zu bieten hat.” Schlecht weiter:

“Die Finanzmarktreformen in Deutschland sind noch schwächer als in den USA. Es gibt keine nennenswerten Einschränkungen für Hedge-Fonds, kein umfassendes und europaweites Verbot gefährlicher Finanzprodukte, keine Beschränkung des Eigenhandels der Banken. Und das unverbindliche Regierungsgeschwätz von einer Finanztransaktionssteuer ist nur Opium fürs Volk. Stattdessen wird der Bevölkerung mit dem Sparpaket nun die Rechnung präsentiert. Die darin enthaltenen Kürzungen werden die Wirtschaftskrise noch vertiefen. Die Politik hat offensichtlich immer noch nicht verstanden, welche Gefahren für Wirtschaft und Demokratie von den Finanzmärkten ausgehen.

DIE LINKE fordert unter anderem eine echte Finanzmarktransaktionssteuer in Höhe von 0,05 Prozent auf alle Finanzgeschäfte, ein Verbot von Hedge-Fonds und des Eigenhandels von Banken sowie die Überführung privater Geschäftsbanken in öffentliches Eigentum, um die Steuerzahler für die Verstaatlichung von Verlusten zu entschädigen.”

Kommentar: Konjunktur stützen, Schulden abbauen!

15. Juli 2010  Kommentare

In vielen Betrieben wird wieder in die Hände gespuckt. Vor allem bei vielen Automobilbauern türmen sich die Aufträge. Daimler, Audi und BMW fahren Sonderschichten. Die chinesischen Millionäre sind eben scharf auf die S-Klasse. Auch der Maschinenbau bekommt wieder deutlich mehr Aufträge, vor allem aus dem Ausland. Jedoch ist bislang erst die Hälfte des Absturzes seit 2008 aufgeholt.

Wirtschaftsminister Brüderle verkündet im Bundestag schon mal das Ende der Krise. Und die Medien überschlagen sich mit Erfolgsmeldungen über die gute Stimmung unter deutschen Managern.

Stehen wir am Beginn eines neuen Aufschwungs? Ist es richtig zum 1. Januar 2011 aus konjunkturstützenden Maßnahmen auszusteigen und die Haushalte zu sanieren?

Die Prognosen für 2010 wurden leicht nach oben korrigiert. Aber: Die weitere Entwicklung ist unsicher und für 2011 wird eine Abschwächung der Konjunktur oder Schlimmeres erwartet. Ganzen Beitrag lesen »

Interview: Michael Schlecht zu den geplanten Protesten gegen den schwarz-gelben Sozialabbau

Michael Schlecht im Interview mit dem bermudafunk zu den Vorbereitungen der Proteste gegen geplanten Sozialabbau von Schwarz-Gelb, Bürgerarbeit und der möglichen Zusammenarbeit der LINKEN mit SPD und Grünen.

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Kommentar: Merkel vergaucken? Sozialkürzungen verhindern!

05. Juli 2010  Kommentare

Die Aufstellung von Joachim Gauck durch SPD und Grüne zielte vor allem auf die schwarz-gelbe Regierung, auf eine Schwächung Merkels. Das ist gelungen. Dass mehr als 40 Delegierte im ersten Wahlgang Merkel die Gefolgschaft verweigerten war eine Klatsche ersten Ranges.

SPD und Grüne hatten sich für ihre Strategie einen Kandidaten gesucht, der Teile des schwarz-gelben Lagers ansprechen sollte. Gauck war dafür ihr Mann. Es störte sie wenig, dass er in vielem das pure Gegenteil von dem vertritt, was in Parteiprogrammen beider Parteien steht. “Mit der Kandidatur Gauck ist Schindluder betrieben worden. Und nie hätte die rot-grüne Opposition diesen ‘Geniestreich’ gewagt, wäre sie an der Macht gewesen,” so die Neue Züricher Zeitung.

Die Aufstellung des Kandidaten ohne Beteiligung der LINKEN war logische Bedingung für den Plan Merkel vorzuführen. Hätte DIE LINKE keine eigene Kandidatin aufgestellt und erklärt, dass sie Gauck wählen würde, wäre Wulff im ersten Wahlgang gewählt worden. Deshalb war es für Rot-Grün hilfreich mit Gauck einen Kandidaten zu haben, der für DIE LINKE allein schon wegen der Befürwortung des Krieges in Afghanistan und der Agenda 2010 nicht wählbar war. Ganzen Beitrag lesen »